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HNA vom 01.06.2017

Ein bisschen Sisyphos

Über 30 Jahre begeisterte Lehrer Günter Flechtner
Hegelsberg-Schüler für Musik

Ansteckende Begeisterung: Seine Begeisterung für die Musik hat Lehrer Günter Flechtner (gelbes T-Shirt) über 30 Jahre lang an die Schü­ler der Schule Hegelsberg weitergegeben. Und auch nach seiner Pensionierung im Sommer wird er die Gitarren AG „GSH-Guitar" weiter leiten, sehr zur Freude seiner Schülerinnen. Foto: Schilling


KASSEL.
Immer wieder hat Günter Flechtner in den ver­gangenen Jahrzehnten ganz von vorne angefangen. Weil immer wieder junge Men­schen zu ihm kamen, die et­was von ihm lernen wollten. „Und dann guckt man halt, was kann ich tun, wie kann ich helfen“, sagt er. Günter Flechtner ist Lehrer. Seit 1981 unterrichtet er an der Schule Hegelsberg. Nun geht er im Sommer in Pension.
Studiert hat Flechtner Deutsch und Sozialkunde. Doch was ihn auszeichnet, das ist seine Begeisterung für die Musik. Über 30 Jahre lang hat der 65-Jährige an der Schule Musikgruppen unterrichtet und begleitet - und sich dabei nicht selten wie Sisyphos ge­fühlt. Denn mit jeder neuen Band fing er wieder ganz von vorne an. „Manchmal denkt man, jetzt reicht es, wenn wie­der eine Gruppe auseinander­geht. Dann kommen neue Leute und wollen etwas ma­chen, und man fängt eben wieder an“, erzählt er. Das Er­staunliche sei, dass er nach dem Ende besonderer Grup­pen immer dachte: „Mehr geht nicht“. Und dann gab's doch eine Steigerung.

Karaoke-Gruppe
Den Anfang machte die 1990 gegründete Formation „In the Frontline“, die unter anderem beim Sommerfest des damaligen Bundespräsi­denten Richard von Weizsä­cker auftrat. Es folgten weite­re Gruppen, darunter „Indigo Dawn“, die Bundessieger beim Wettbewerb „Schüler schrei­ben Lieder“ wurden und spä­ter die Karaokegruppe „Seven Roses“, deren Videos auf You-Tube weltweit Anerkennung fanden. Bis in die ARD-Fernsensendung „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross schaffte es 2011 die Gruppe „Never the same“.
„Das war irre“, erinnert sich Flechtner. Das lag auch daran, dass die Mädchen den „Hegels­bergsong“, den sie vortragen sollten, zu seiner Überra­schung umgedichtet hatten: „Der Hegelsberg wird heiß ge­liebt, weil es Menschen wie Herrn Flechtner gibt (...). Von Herzen gut und tolerant - so sind Sie überall bekannt“. Das war eine ganz besondere Aus­zeichnung.
Lob gibt es auch von seiner aktuellen Gitarren AG „GSH-Guitar". „Er ist einfach lässig drauf. Und man lernt viel bei ihm“, sagt Luca Marie (16). Die zwölfjährige Laura ergänzt: „Wir sind wie eine Familie“.
Dass er einmal über 30 Jah­re auf dem Hegelsberg unter­richten würde, hätte Flecht­ner nicht gedacht. Nach dem Studium in Koblenz und dem Referendariat im Hunsrück hatte er eine Stelle an der Schule Warteberg bekommen und zog mit seiner Frau nach Kassel, wo er an der Musikaka­demie neben dem Beruf noch Konzertgitarre studierte.

Gitarren-AG
„Das kreative Arbeiten mit den Schülern werde ich ver­missen und meine Klasse. Aber die Klasse geht jetzt von der Schule ab und meine Zeit als Lehrer endet, das passt.“
Und so ganz geht er der Schule nicht verloren, denn die Gitarren AG leitet er wei­ter. Weil ihm diese Arbeit, und das ist der Unterschied zu Sisyphos, immer wieder aufs Neue ganz viel Spaß macht.

Infos über die vielen erfolgreichen Bands und Musikgruppen im Internet:

www.hegelsbergsongs.de