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HNA vom 25.8.2005

 Umfrage: 80 Prozent wollen Ganztagsschule

BERLIN
Für das flächendeckende Angebot von Ganztagsschulen haben sich 80 Prozent der Befragten in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa ausgesprochen.
Bundesbildungsministerin Edelgard Bumahn (SPD) räumte allerdings Rückstände ein: "Wir sind noch weit davon entfernt, wirklich Chancengleichheit zu schaffen." Der Bund fördert den Neu- und Ausbau von Ganztagsschulen mit vier Milliarden Euro. (DPA)

 

"Schub für die Schulen"

Die Bundesregierung fördert Ganztagsangebote - Eine Zwischenbilanz

 
Ehrgeiziges Schulentwicklungsprogramm: Bundesbildungsministerin
Edelgard Bulmahn (SPD) in der zur Ganztagsschule ausgebauten
"Cäcilien-Grundschule" in Berlin Wilmersdorf.

KASSEL. „Keine halben Sachen mehr." Mit dieser Botschaft war Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) auf Werbetour für Ganztagsschulprogramme gegangen. Das war 2002. Der Pisa-Schock hatte die Deutschen erschüttert und der Kanzler die neue Bildungsoffensive zur Chefsache gemacht. Also stellte man den in den Jahren 2004 bis 2007 den Ländern insgesamt vier Milliarden Euro zur Förderung von Ganztagsschulen in Aussicht.

Der Vorwurf der „Zwangsbeglückung" zieht heute nicht mehr. „Es gibt länder- und parteiübergreifend fast vollständig Einigkeit, dass Ganztagsschulangobte ein sinnvoller Schritt sind", sagt Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung.

Viele Einrichtungen praktizieren allerdings nach dem „Bikini-Modell": Vormittag und Nachmitttag sind getrennte Einheiten, die nur das Nötigste abdecken.

Das bestätigt auch der Schulleiter der Kasseler Hegelsbergschule und Bundes-vorsitzende des Ganztagsschulverbands, Stefan Appel. Es habe zwar einen „riesigen Schub und qualitative Verbesserungen" der Schulen gegeben. Zugleich erkennt er, jedoch den Trend, dass fast überall die offenen Ganztagsschulen im Vormarsch sind. Eine vollwertige Ganztagsschule, die im Klassenverband unterrichtet, braucht aber 30 Prozent mehr Personal, veranschlagt Appel.

Und dafür müssen die Länder erst einmal die Mittel aufbringen.

Das wiederum tun sie äußerst unterschiedlich. Und so ist die Bildungslandschaft zerklüftet. Während Bayern und Baden-Württemberg nur zögerlich den Ausbau in Angriff nehmen, kann man in Thüringen oder Sachsen von einem flächendeckenden Angebot sprechen. Denn die Länder lassen sich nur ungern vorschreiben, was sie unter einer Ganztagsschule zu verstehen haben. Sachsen-Anhalt will Renommier-Bildungsstätten aufbauen, Berlin steckt die Mittel hauptsächlich in Grundschulen, Hamburg in Gymnasien und NRW setzt auf offene Ganztagsschulen.

Einen guten Kompromiss scheint Rheinland-Pfalz gefunden zu haben, wo man schon 2002 mit dem Aufbau eines flächendeckenden Ganztagsschulprogramms begann. Das Angebot basiert auf Freiwilligkeit. Bei der inhaltlichen Ausgestaltung müssen sich die Schulen aber an Rahmenvorgaben halten. Zu den verpflichtenden Elementen gehören Angebote wie Hausaufgabenbetreuung oder fachbezogene Vertiefung durch Projekte und Förderangebote sowie Freizeitangebote unter pädagogischer Anleitung, zu der auch die Einbindung außerschulischer Gruppen wie Vereine gehört. Entscheidend sei eben, dass eine neue Lernkultur entsteht, meint Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD). „Und das funktioniert auch", so Ahnen, „wenn am Nachmittag fächerübergreifende Arbeitsgemeinschaften und jahrgangsübergreifende Projekte angeboten werden."