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HNA vom 5.5.2005

Intelligent üben statt pauken

Mit dem Sinus-Projekt

will die Hegelsbergschule den Mathematikunterricht verbessern

von Sabine Oschmann

Maßarbeit: Die begeisterten Schüler der Klasse 5
- im Vordergrund von links Ida, Esra, Andrea und
Joshua - am Ende der Mathe-Stunde, in der sie
viele verschiedene Längen geschätzt, ausprobiert
und dann selbstständig ausgerechnet haben.

NORD. Montagmorgen, erste Stunde, Mathe bei Frau Maraun-Dröge. Müde Schüler? Ganz im Gegenteil. Die Klasse 5 ist mit Eifer dabei. Mit Maßband, band, Meterzähler und den eigenen Beinen haben die Hegelsbergschüler in der großen Halle gemessen und gerechnet, was das Zeug hält. Anhand des Arbeitsblattes „Laufpass" und von Aufgabenkärtchen sollten Christiane Maraun-Dröges Schüler zunächst Strecken und Umfänge - Dicke von CD und Mathebuch, eine Stadionrunde, Länge eines Kulis - schätzen, dann erst schlossen sie sich in kleinen Arbeitsgruppen zusammen, rechneten, verglichen und suchten nach Lösungen.

„Nicht nur sitzen, sich bewegen und selbstständig was machen, ohne dass die Lehrer gleich eingreifen", das gefällt Jan. Joshua hat selbst herausgefunden, was man mit einem Meterzähler anfan-gen kann, und Esra rechnet flugs, seitdem sie das Maßband handhaben kann.

„Bei dieser Art Unterricht haben die Schüler eine reale Vorstellung vom Längenbegriff gewonnen", erklärt Kollegin Ulrike Semmler.

Zweite Stunde Mathe in der 8. Gymnasialklasse bei Petra Gottmann. Es geht um Experimente zur Wahrscheinlichkeits-rechnung. Latifa und Fatih erklären, wie man ausrechnet, dass und wie oft man beim Würfeln die Sechs kriegt oder dass eine Familie mehr Töchter als Söhne bekommt. „Kann man alles ausrechnen", erzählt Esra begeistert. „Und zwar allein, ohne Lehrer", ergänzt Sarges.

Der Unterricht verläuft in Stationen, immer zu zweit sitzen sie an einer Station, wechseln weiter, wenn sie ihre Aufgaben dort gelöst haben. Die Ergebnisse fassen sie in schön verzweigte Baumdiagramme, die sie zum Abschluss präsentieren.

Dass die Schüler praktisch an die Lösung eines mathematischen Problems herangehen, selbstständig arbeiten, durch Versuch und Irrtum und immer anwendungsbezogen lernen und dass der Lehrer möglichst im Hintergrund bleibt, kennzeichnet den neuen Matheunterricht.

„Der zum Ziel hat, mathematisches Verständnis der Schüler zu entwickeln und ihre Leistungen zu verbessern", erläutert Pädagogin Irene Heußner-Wurm. Von der Eigenaktivität und der Arbeit in Kleingruppen profitierten auch schwächere Schüler.

Damit geht die Hegelsbergschule die von den Pisa-Studien aufgedeckten Defizite an. Die Schule mit Ganztagsangeboten nimmt am hessenweiten Modellversuch Sinus-Transfer, der in diesem Sommer endet, teil - mit den neuen Methoden und Inhalten hätten sich die Leistungen bereits erkennbar verbessert, berichten die Pädagoginnen.

Das sture Pauken sei unergiebig, im Sinus-Modellversuch gehe es um intelligentes Üben, möglichst mit Bezug zur Lebenswirklichkeit der Schüler, so die Lehrerinnen. Das spornt die Schüler erkennbar an. Auch an diesem Morgen.