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Nordwind 5/2005

 

Das Lernatelier

der Hegelsbergschule

 

... und wir drehen die Erde selbst!

 

Die Kinder stehen schon ungeduldig an der Tür, bevor der Lehrer kommt. Was für einen tollen Unterricht haben wir da zu erwarten? GL heißt der Unterricht und 20 Schüler nehmen schnell Platz auf den roten Sitzen. Zwei Jungen stellen sich wie abgesprochen auf die Seite, einer mit dem Stift und der andere mit weißen Karten. Eigentlich warten sie schon seit vorgestern auf diesen Moment. Endlich wieder mit dem Smart-Board arbeiten! Die Kinder erklären uns fachmännisch, wie das Ganze technisch funktioniert. Die Klassensprecher fangen an. Drei Geräte, die miteinander in Verbindung stehen: Beamer, Computer und die Tafel - das sogenannte Smart-Board. Die Kreide wird ersetzt durch einen dicken Stift, der eine Verbindung zu PC und Beamer herstellt. Der Stift kann Maus sein und blitzschnell zum Zeichenstift werden - und als Radiergummi kann er auch benutzt werden. Eigentlich waren wir die Zaungäste - wir saßen in der letzten Reihe - und doch wollten wir mitspielen, so hat es uns gepackt:

Einmal mit dem Stift an der Erde drehen dürfen und den Kontinent aufzeigen, der gesucht wird - auch wenn Kontinente und Länder dabei schon mal durcheinander gerieten, die Kinder und wir hatten großen Spaß! Erstaunlich, wie gut die Kinder Bescheid wuten. Wir waren beeindruckt.

Wo liegt eigentlich Armenien - wo Marokko und wo der Libanon? Nicht alle Kinder kommen aus Deutschland - erfahren wir dabei. Aber auch wir drei sind nicht alle aus Deutschland. Wer weiß, wo Vietnam liegt? - Die Karte zeigt uns keine Grenzen und auch keine Namen. - Wo liegt Hanoi?

 

Alle Kinder wissen es - das bedeutet eine Chance nach vorne ans Smart-Board zu kommen - erst den Zauberstift in die Hand nehmen und den virtuellen Globus in alle Richtungen drehen und berühren dürfen. Egal, auch wenns diesmal falsch war!

Für die richtige Antwort bekommt jede Gruppe - davon gibt es drei - ein weißes Blatt - jedes Blatt ein richtiger Punkt. Was uns noch beeindruckt - wie demokratisch es in der Klasse zugeht. Jede Gruppe entscheidet selbst, wer nach vorne darf. Kein Gestreite und Geschubse. Schließlich sind wir doch „Erwachsene"! Und jedes Kind kam mal dran - keins wurde vergessen.

Die Rolle des Lehrers: Er ist anwesend - aber keineswegs dominant. Wir stellen fest, dass die Kinder ihn mögen. In so einer Klasse wollten wir auch noch mal Schüler sein.

So nützlich ein Lernatelier auch für den Unterricht sein mag: einen guten Lehrer wird es nicht ersetzen können.

Und schön ist der große Raum: abgeschieden vom Interaktionsraum mit Smart-Board gibt es hinter Holz-Trennwänden einen Tisch-Stuhl-Bereich für konzentrierte Projekt-Arbeiten. Eine Bibliothek lässt erahnen, wie fantasievoll es hier immer zugehen mag: „Wieviel wiegt die Luft?" Lesen wir auf einem Buchrücken. Herr Scheuerer - der Lehrer - beklagt allerdings, dass es noch keinen Internet-Anschluss gibt und dass die PCs auch noch nicht da seien, was weitere Arbeitsmöglichkeiten bieten würde. Der Raum, so wie er sich uns präsentiert, ist einmalig an Kassels Schulen und die Ausstattung sowie das Smart-Board wurde von der Firma CONEN gesponsert.

Bevor das Stadt-Land-Fluss-Spiel losgeht, müssen wir uns verabschieden. Schnell noch ein Gruppenfoto vor dem Smart-Board, auf dem gerade aus der Urgeschichte Tiere einsortiert werden wollen. Der Stift dient als Angel. Und wenn das Tier zu jung ist für die anvisierte Zeitzone, flutscht es zurück an seinen Platz. Wir beschließen, - wenn wir noch mal zur Schule gehen dürften, dann möchten wir hier in diesem schön gestalteten Raum mit der angenehmen Lern-Atmosphäre arbeiten. Und wenn wir uns noch was wünschen dürften, dann möchten wir bei Herrn Scheuerer in die Klasse gehen. Der gefiel uns nämlich sehr gut!!!
Danke an die Klasse 5d der Hegelsbergschule!

Text: Oxana Gasanova, Thangh Ngoc Nguyen, Gundhild Fischer; Fotos: Oxana Gasanova, Thangh Ngoc Nguyen