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HNA vom 12.4.2005

Zum Erfolg mit 10363 Seiten

Leseintensivtrainung Read heißt ein Projekt an der Gesamtschule Hegelsberg

Von Sabine Oschmann

Vielleserinnen: Anna, Laura und Sam (vorn von links) haben 10363 Seiten gelesen. Damit haben sie den Viellesewettbewerb beim Schulprojekt Leseintensivtraining Read gewonnen. FOTO: FISCHER

NORD. Die Masse macht's nicht immer, aber manchmal eben doch. Denn wer viele Seiten liest, findet manchmal plötzlich Spaß daran. Und wenn man dann noch einen Wettbewerb gewinnt, steigert das auch die Lust am Lesen. Laura hat den Vogel abgeschossen - 4500 Seiten hat sie gelesen, ihr Lieblingsbuch heißt „Alice Fernsehsuperstar". Mit 3700 Seiten ist Samanta Zweite geworden, Sam schwärmt für „Vollkornsockenforever". Platz drei gab es für Anna, die genau 2163 Seiten verschlang und sich ein Leben ohne „Weiberalarm" nicht mehr vorstellen kann.

Diese drei und viele andere Schüler der Gesamtschule Hegelsberg kamen über ein Projekt ihrer Deutschlehrerin Yvonne Eickmann zum Lesen. Mit Sorge registrierte die Pädagogin das nachlassende Interesse der Kinder allgemein an Büchern und am Lesen. Darum will sie gegensteuern mit dem „Leseintensivtraining Read" für die Schüler der Förderstufe.

In einem bestimmten zeitlichen Rahmen in der Schule oder zu Hause, erläutert Eickmann, sollen die Schüler so viele Seiten wie möglich lesen. Das fördere Lesekompetenz und Textverständnis. „Ein breites Angebot an attraktiver Kinder- und Jugendliteratur soll die Begeisterung fürs Lesen wecken", sagt sie.

Stolz tragen die Kinder in ihren Lesepass die Anzahl der gelesenen Seiten ein. In der „Lesestunde" in der Schule wählen sie sich Bücher aus der Klassenkiste aus oder bringen ihre eigenen Bücher mit. Und wie sie da so sitzen, mäuschenstill und vertieft in ihre Lieblingsbücher, die Beine hochgelegt oder die Arme aufgestützt, zu zweit oder allein, sehen sie wie richtige Leseratten aus. Frau Eickmann liest übrigens mit. Gemeinsam lesen schaffe nebenbei auch eine entspannte und freundliche Atmosphäre, so die Pädagogin.

Aber ganz ohne Kontrolle geht es nicht. Die Schüler müssen per Fragebogen den Inhalt zum Buch wiedergeben und ein Lesetagebuch führen. Auch Leseverträge werden geschlossen, mit dem sie sich verpflichten, wenigstens eine Seite täglich zu lesen. Da seien einige stolz, wenn sie das schaffen, „aber wir müssen die Kinder da abholen, wo sie sind", sagt Eickmann. Die Bandbreite reiche von Viellesern bis hin zu Leseverweigerern.

Und sogar diese zeigten sich motiviert, und zwar beim Lesetest. Hier werden die Wörter pro Minute gezählt und Fragen zum Text nach einem Tag Abstand beantwortet. Wenn sich Schüler austauschen über ihre Lektüre, bestätigt sich die Meinung von Alexander Scheuerer, dem stellvertretenden Schulleiter: „Lesen ist Beziehungskultur."