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HNA vom 4.4.2005

"Mord ist nicht zu rechtfertigen"

Eine Hauptschulklasse der Hegelsbergschule hat sich mit dem Thema Ehrenmorde befasst.

 


Viel Gesprächsstoff: Die Klasse H8a der Hegelsbergschule hat sich im Fach Politik und Wirtschaft mit dem politisch aktuellen Thema Ehrenmorde beschäftigt. Das Thema war Anlass für heftige Diskussionen unter den Schülern.

KASSEL Intensiv und kritisch haben sich die Achtklässler der Hegelbergschule in einem Klassenprojekt, das vor den Osterferien abgeschlossen wurde, mit dem Thema Ehrenmorde auseinander gesetzt.

Die Hauptschüler lasen gemeinsam mit ihrem Lehrer Rolf Schmidt während der Unterrichtsstunde Politik und Wirtschaft in der Zeitung die Geschichte der jungen Türkin Hatin Sürücü, die in Berlin vermutlich von männlichen Familienangehörigen auf offener Straße erschossen wurde (die HNA berichtete). Grund für die regelrechte Hinrichtung war, dass die 13-Jährige in ihrer Heimatstadt Berlin ein selbstbestimmtes Leben führen wollte, befreit von der Zwangsehe mit ihrem Cousin in Istanbul.

Die Schüler in der Klasse von Rolf Schmidt waren von dem Geschehen in Berlin betroffen. Als es auch vereinzelte Stimmen in der Klasse gab, die das Geschehen in Berlin zwar nicht verstehen, den Ehrenmord an sich jedoch nachvollziehen konnten, war dies Anlass für eine hitzige Diskussion unter den Schülern.

Grund genug für Lehrer Schmidt, das brisante Thema in einer Projektarbeit in der Klasse zu problematisieren.

Die Schüler sammelten Zeitungsausschnitte, druckten Informationen aus dem Internet aus und bastelten gruppenweise Plakate, in denen ihre Einstellung zu dem Thema zum Ausdruck kam. Die Plakate wurden von den Gruppen in Kurzvorträgen vor der Klasse erklärt.

„Ein Mord kann durch nichts gerechtfertigt sein“, sagt die 14-jährige Susanne Skupien, „auch nicht durch Religion oder Ehre.“ Ihr Mitschüler Dominik Baha (14) ist besonders aufgebracht über die große Dunkelziffer: „Die meisten Morde werden gar nicht erst bekannt und somit auch nicht geahndet. Die Mörder lassen sie wie Selbstmorde aussehen."

Halil Karahan (15) findet es besonders tragisch und empörend, dass im Islam oftmals sogar vergewaltigte Frauen die Familienehre so geschädigt haben sollen, dass nicht etwa der Vergewaltiger, sondern die Frau als Schuldige gelte und umgebracht werde. Im Grundgesetz und in der Bibel forschten die Schüler der H8a nach Rechtfertigungsgründen für einen religiösen oder ethischen Mord. Sie wurden nicht fündig. Selbst der Koran fordere oder rechtfertige an keiner Stelle den Ehrenmord, so Schmidt. Dies hätten die Schüler ebenfalls nachgeprüft. (PHD)